Die Redewendung agree to disagree kommt ursprünglich aus dem anglo-amerikanischen Raum und hat sich zunächst in der Diskussion christlicher Gelehrter seit dem 17. Jahrhundert etabliert, um eine engagierte, lebendige Diskussion bei gleichzeitiger gegenseitiger Wertschätzung unter einen Hut zu bringen. Wenn es um den Streit von Meinungen geht, ist die Tatsache anzuerkennen, dass es keine zwei Menschen auf diesem Planeten gibt, die in allem einer Meinung sind. Niemand hat die Wahrheit, aber im konstruktiven Diskurs können wir uns der Wahrheit annähern. So wichtig daher unterschiedliche Meinungen und der Diskurs darüber sind, so konfliktträchtig sind sie.
Andere Meinungen führen dann zu berechtigter Sorge, wenn Sie unsere Werte, also das, was uns wichtig ist (zB unsere Freiheit oder unser Leben), bedrohen. Sehr häufig werden allerdings durch andere Meinungen nicht unsere Werte bedroht, eher deren egozentrische und verzerrte Bewertung, zum Beispiel unser „Recht haben wollen“, unser makelloses Ansehen oder unsere persönlichen wirtschaftlichen Interessen.
Dann ist Abrüstung notwendend und die Demut, dass ich ebenso irren kann wie der andere. So wird agree to disagree zum Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung: wir sind zwar in diesem Punkt nicht eins, dennoch sind wir auf einer tieferen Ebene verbunden und wollen diese Verbundenheit auch zum Ausdruck bringen.